Wenn Männer Haare verlieren

Haarausfall hat das männliche Geschlecht fest im Griff. Sind Männer erst einmal in ihren Lebensjahren zwischen 20 und 30, sind spätestens dann etwa 12 Prozent von ihnen mit dem Thema Haarausfall beschäftigt. Leider steigt die Quote jedoch mit steigendem Lebensalter weiter an. In ihren Fünfzigern sind dann bereits 50% der Männer von erblich bedingtem oder androgenetischem Haarausfall betroffen.

Auch unter dem Vorsatz, dass männlicher Haarausfall schon mehr Akzeptanz in unserer Gesellschaft erfährt als ebenjener bei Frauen, ist er für viele dennoch Belastung und Einschränkung ihrer Lebensqualität.

Und das ist nachvollziehbar. Schließlich sind die Haare die mit großem Abstand auffälligsten der unmittelbar wahrnehmbaren Körperbereiche des Mannes und Ausdruck ihrer Leichtigkeit, Jugendlichkeit und Ernsthaftigkeit. Sie senden ein starkes biologisches Signal und vermitteln wertvolle Informationen über Charakter, Persönlichkeit und Werte eines Mannes und dessen Selbstbild. Der Wunsch nach vollem Haar lässt sich daher nur zu gut mit dem Streben nach einem formvollendeten, markanten und männlichen Erscheinungsbild verknüpfen.

Fortschreitender Haarausfall geht also auf Kosten der Lebensqualität. Sichtbar wird dies implizit in dem Verhalten, diese mehr und mehr einschränkende Freiheit des eigenen Lebensgefühls durch bestimmtes Handeln wiederzuerlangen. So werden bekannte Trends wie „Glatze statt Haare“ oder Modegags mit Hüten und Mützen in allen nur denkbaren Formen ausgerufen. Was jedoch weniger augenscheinlich zum Vorschein gelangt, heute in wissenschaftlichen Studien aber immer deutlicher herausgearbeitet werden kann, ist die Tatsache, dass Männer mit Haarausfall deutlicher Benachteiligung im Beruf, beispielsweise in Bewerbersituationen, oder bei der Partnerwahl ausgesetzt sind.

Androgenetischer Haarausfall:
Wenn die Gene Ernst machen

Zwei Drittel aller Männer, die unter Haarausfall leiden, empfangen die Haarausfall-verursachenden Gene von ihren Eltern. Die Wirkung und Intensität dieser Gene auf den Haarausfall ist ferner von den Androgenen abhängig, wodurch der gewöhnliche Haarausfall seinen Namen erhält: Androgenetische Alopezie.

Das heißt, erblich bedingter Haarausfall kann nur dann eintreten, wenn auch die genetische Programmierung vorliegt und die entsprechenden Erbinformationen durch die vorangegangenen Generationen weitergegeben worden sind. Dabei ist das Ausmaß des Haarausfalls davon abhängig, wie stark sich die am Haarausfall beteiligten Gene aktivieren lassen.

Heutzutage geht die Wissenschaft davon aus, dass Haarausfall polygenetisch bedingt ist, d.h. durch mehrere Gene beeinflusst wird. Diese Erkenntnis macht es unheimlich schwierig, Wege zu finden, die den Haarausfall effektiv, nachhaltig und ohne Nebenwirkungen behandeln lassen. Abstand hat man zudem mittlerweile von der These genommen, dass Haarausfall lediglich von der mütterlichen Seite weitergegeben werden kann. Im Gegenteil: die Anfälligkeit für androgenetischen Haarausfall kann durch die Gene des Vaters sogar noch gesteigert werden. Die Gründe hierfür sind allerdings noch nicht bekannt.

Relativ sicher ist man sich allerdings, dass die Erbinformation zum androgenetischen Haarausfall dominant ist. Das heißt, dass das Vorhandensein eines Gens in einem Paar genügt, um sich im Zuge der Reproduktion auch in der Folgegeneration durchzusetzen.

Jedoch ist das bloße Vorhandensein eines Gens noch nicht ausreichend, um davon ausgehen zu müssen, dass sich – in diesem Fall – der androgenetische Haarausfall auch tatsächlich ausdrückt. Wie stark ein Gen mit seinen Eigenschaften Einfluss nehmen kann (man nennt dies in der Fachsprache „Expression“) ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Zu diesen gehören unter anderem Alter, Ernährung, Stress und Hormone. Mit anderen Worten ist es durchaus möglich, dass ein Mann, der durch seine beiden vorangegangenen Generationen für erblich bedingten Haarausfall genetisch vorbelastet ist, wenig bis gar nicht betroffen sein kann. Dies kann damit zusammenhängen, dass er entweder keine dieser „belastenden“ Gene vererbt bekommen hat oder weil eben das Ausmaß, mit dem das jeweilige Gen Einfluss auf diese Entwicklung nehmen kann, nicht ausreichend aktiviert wird.

Eine Glatzenbildung in Folge androgenetischen Haarausfalls kann also sowohl weniger als auch stärker ausgeprägt verlaufen als etwa bei ebenfalls betroffenen Familienmitgliedern. Als ein gewisser Anhaltspunkt kann aber ein entsprechender Altersvergleich dienen: So ist es wahrscheinlich, dass sich ein ähnlicher Verlauf einstellen wird, wenn Vater und Sohn mit jeweils 20 und 30 Jahren ähnliche Haardichten hatten. Ist das der Fall, gilt es als sehr wahrscheinlich, dass auch der Sohn mit 40, 50 oder 60 dem Haarkleid des Vaters ähneln wird.

Natürlich kann die Alopecia androgenetica auch bei Männern und Frauen auftreten, deren Eltern wenige bis keine sichtbaren Haarprobleme haben. Das liegt daran, dass diese erblich bedingte Erkrankung in einer Vielzahl von Genen programmiert ist und sich ihre individuelle Situation in der Kombination aus den Genen von Vater und Mutter bei ihrem Kind nicht wiederfinden. Kommen die aus Sicht des Haarausfalls weniger gewünschten Gene der Mutter mit den ebenfalls weniger gewünschten Genen des Vaters zusammen, kann etwa der Sohn mit einem ausgeprägten Haarausfall konfrontiert werden, während die Eltern über ihre Lebenszeit volles Haar behalten.

Erstaunlicherweise wurde bis heute kein einziges der für den erblich bedingten Haarausfall verantwortlich zeichnenden Gene identifiziert, obwohl so viele Menschen vom androgenetischen Haarausfall betroffen sind. Das bedeutet aber leider auch, dass jedwede Hoffnung auf eine relativ einfache, durch Menschenhand herbeigeführte Veränderung der Geninformation zur Ausschaltung von Alopecia androgenetica die bestehenden Realitäten verkennt und eine solche Wunschtherapie in extrem ferner Zukunft liegt.

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